Sitzwache

Definition:

Sitzwache ist die Durchführung einer Einzelbetreuung einer beaufsichtigungspflichtigen Person in der Regel innerhalb einer medizinischen Einrichtung, beispielsweise Krankenhäuser, Psychiatrien, etc. Einzelbetreuung bedeutet, dass EINE Pflegekraft auf EINE zu betreuende Person Acht gibt. Zunächst einmal muss der Arzt, der die Sitzwache verordnet, das hierfür benötigte Betreuungspersonal organisieren (lassen).

 

Wer übernimmt die Kosten?:

Eine Sitzwache wird ärztlich verordnet und kann jedoch zunächst nicht direkt mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Die Kosten hierfür muss das Krankenhaus, in welchem sich der beaufsichtigungspflichtige Patient aufhält zunächst selber tragen. Die Akutkrankenhäuser mit Krankenkassenzulassung haben die Möglichkeit durch entsprechende Dokumentation, die entstandenen Kosten für eine Sitzwache über den Pflegekomplexmaßnahmenscore (siehe PKMS) anteilig zu refinanzieren.

 

Rechtsgrundlage:

§ 1 GG
"(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."

Oftmals können Fixierungen eines Patienten vermieden werden, wenn eine Sitzwache anwesend ist. Durch die Gestellung einer Sitzwache fördern Sie die Menschlichkeit und beachten die Menschenwürde.

 

§ 39 Abs. 2, Nr 5, Satz 3 PsychKG Berlin

Patienten, die fixiert, oder fixiert UND sediert worden sind, müssen eine "ständige persönliche Begleitung" im Sinne dieses Paragraphen haben. Das Gesetz schreibt keine Qualifikation für die persönliche Begleitung vor.

 

Zweck einer Sitzwache:

Die "ständige persönliche Begleitung" = Sitzwache hat den Zweck, den zu betreuuenden Patienten vor Verletzungen zu schützen, Notfälle rechtzeitig zu erkennen und ihm in seinen Grundbedürfnissen zu unterstützen, da die beaufsichtigungspflichtige Person möglicherweise aktuell nicht dazu fähig ist. Zudem soll die Sitzwache durch permanente Anwesenheit dem beispielsweise fixierten Patienten die psychische Herausforderung der Lage des Patienten (er ist fixiert) fördern und stabilisieren.

 

Aufgaben einer Sitzwache:

Eine Sitzwache hat durchgehenden Sichtkontakt zum zu betreuenden Patienten zu gewährleisten. Ein außer Sichtkontakt lassen des Patienten ist untersagt. Für Toilettengänge, Pausen, Zigarettenpausen oder sonstige Arbeitsunterbrechungen muss die Sitzwache sich von einer anderen Betreuungskraft ablösen lassen. Eine Sitzwache darf keine anderen Aufgaben haben, als die ständige persönliche Begleitung des Patienten. Dies ergibt sich aus dem Wortlaut "ständig" des PsychKG (Psychich Krankengesetz Berlin). Die Sitzwache hat zwar laut Gesetzestext keine näher bezeichnete Berufsbezeichnung, jedoch klingt es logisch, dass diese Person im Hinblick auf Notfälle geschult sein muss. Zudem muss sie sich mit Problematiken und Risiken einer Fixierung auskennen, sowie über Grundwissen über verschiedene psychiatrische Erkrankungen verfügen. Zunächst ist die Sitzwache tatsächlich nur für die Sicherheit des Patienten zuständig; Sie ruft um Hilfe, wenn der zu betreuende Patient sich in Gefahr begibt. Die für den Patienten zuständige Gesundheits- und Krankenpflegekraft des Krankenhauses bleibt IMMER in der Verantwortung bei der Durchführung der sonstigen Krankenpflegeleistungen.

 

Problemstellungen der Sitzwachen:

Die Sitzwache darf nicht schlafen. Ein Nachtdienst, 8,0h auf dem Stuhl sitzend und dem Schnarchen des Patienten zuzuhören, kann sehr ermüdend sein.

 

Das Pflegepersonal der Krankenhäuser zeigt oftmals die Erwartungshaltung, dass die Sitzwache den beaufsichtigungspflichtigen Patienten "rundum" betreut und auch sämtliche pflegerischen Interventionen, wie zum Beispiel Nahrung anreichen, Positionswechsel im Bett, etc. durchführt. Erfahrungsgemäß erhalten Patienten, an denen eine Sitzwache tätig ist, weniger Aufmerksamkeit des Gesundheits- und Krankenpflegepersonals des Krankenhauses. Hierhinter vermuten wir einen psychologischen Effekt "Ach, da sitzt schon jemand, da brauche ich nicht gucken gehen", oder "die Sitzwache macht das schon". Fakt ist jedoch, dass die Sitzwachen, auf Grund der gesetzlich weichen Vorgaben, oftmals keine entsprechende Qualifikation haben, um Pflegemaßnahmen korrekt durchführen zu können.

 

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© Simeon Frommholz

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